TALKS

Simone Post: Post Production

Als letzten Gast vor der Sommerpause begrüßen wir Simone Post aus Rotterdam, die am 12. Juli ab 18 Uhr unter dem Titel „Post Production“ im SANAA-Gebäude über ihr Verständnis von Gestaltung sprechen wird.

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Simone Post (Photo: Josefina Eikenaar)

Es ist vor allem der Werkkomplex „Post-Vlisco“, der Simone Post zu einer der interessantesten Gestalterinnen der Gegenwart macht. Nach eingehender Analyse der Herstellungs- und Produktionsabläufe hat sie mangelhafte Stofflagen und anderen Reste der in Afrika so überaus populären Wachsbatikstoffe der holländischen Firma Vlisco zu einer Reihe von Heimtextilien um- und weitergearbeitet, von denen der bunt schillernde, kreisrunde „Vlisco Recycled Carpet“ durch seine ikonischen Qualitäten herausragt.

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Coloursample

Die Betrachtung des jungen Werks von Simone Post wirkt wie eine verspätete Bestätigung von Gottfried Sempers berühmtem Diktum, dass „alle anderen Künste ihre Typen und Symbole aus der textilen Kunst entlehnten“. Der ausgeprägte Formwille, der all ihre Arbeiten auszeichnet, paart sich bei ihr mit einer feinsinnigen Empfindung für die Ausdrucksformen menschlicher Kreativität. Nicht umsonst hat sie ein ausgewiesenes Interesse an der kindlichen Vorstellungskraft, der sie in Anlehnung an die Künstlergruppe CoBrA oder dem niederländischen Architekten Aldo van Eyck besondere Beachtung zuteil werden lässt. Simone Post hat sich dem Feld des Textilen verschrieben, das ihr mit seinen vielfältigen Mustern und Strukturen aller Zeiten und Kulturen immerwährende Inspiration ist. Dabei bedient sie sich nicht einfach überlieferter Formen. Sie überprüft die Formen auf ihre gestalterische Konsequenz. Dabei geht es ihr in einer doppelten Wendung um die direkte Übersetzung des Bildlichen der menschlichen Vorstellungskraft in das Handwerklich-Technische des Formprozesses, wie auch der Gestaltungsprozess neue Formen erzeugt, die wiederum das menschliche Ausdrucksvermögen prägen.

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Woven-Wisdom

Simone Post (*1990) absolvierte das Man and Living-Programm der Design Academy Eindhoven, wo sie 2015 mit Cum Laude graduiert wurde. Bereits während ihres Studiums konnte sie auf sich aufmerksam machen, als die holländische Warenhauskette HEMA ihren Beitrag zum traditionellen HEMA Designwettbewerb (Ontwerpwedstrijd), einen Papphocker, in ihr Angebot aufgenommen hatte. Ihre Abschluss-Arbeit „Vlisco Recycled“ wurde mit dem Keep an Eye Grant und dem René Smeets Award ausgezeichnet. Jüngst wurde sie für die Dutch Design Awards und den New Material Award nominiert. 2015 wählte Hella Jongerius sie neben Joel und Kate Booy (Studio Truly Truly) als erste Designern für die neue Kollektion „by TextielMuseum“ des TextielMuseum Tilburg aus. Für die Herbst-/Winterkollektion 2016/17 „Let’s hear it from the lions“ von Liselore Froweijn entwarf sie Halsketten, die von den Kulturen Afrikas inspiriert sind. Simone Post ist gemeinsam mit Iwan Pol und Sanne Schuurman die Initiatorin von Envisions, einem Zusammenschluss junger Gestalterinnen und Gestalter, die einen neuen, kritischen Dialog zwischen Entwerfenden, Produzierenden und Konsumierenden anregen möchten. Simone Post lebt und arbeitet in Rotterdam.

Die Teilnahme an dem englischsprachigen Vortrag ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Dem Vortrag folgt eine gemeinschaftliche Diskussion. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Institus für Kunst- und Designwissenschaft.

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