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Projekt Feature: Mood Light

Durch Licht können Vorzüge betont und Unangenehmes ausgeblendet werden. Licht kann die Umgebung verstärken, es kann Orientierung geben, beruhigen, aufmuntern, andeuten. Licht kann genauso gut verängstigen, verwirren, Distanz schaffen. Licht spielt also eine entscheidende Rolle, welche Stimmung eine Umgebung an den Betrachter vermittelt und was er dabei wie wahrnimmt.

Mit der Wirkung von Licht zu experimentieren und diese bewusst zu gestalten war Inhalt des Projekts „Moodlight“, das die Firma WILA in Kooperation mit der Arbeitsgruppe „Gestaltung & Innovation“ vom Studiengang „Industrial Design“ der Folkwang Universität der Künste durchführte.

Die Firma WILA ist ein Spezialist für individuelles Licht und entwickelt modulare und flexible Lichtwerkzeuge. WILA wurde beim Projekt „Moodlight“ von Andreas Henrich vertreten, die Betreuung von seitens der Folkwang übernahm Prof. Anke Bernotat.

Projektbegleitend gab es regelmäßig Beiträge aus sehr unterschiedlichen Richtungen. So referierte Andreas Henrich über die physikalischen Eigenschaften von Licht und über den aktuellen Stand in der LED-Technik. Prof. Anke Bernotat ging auf zeitgenössische Lichtkünstler ein und stoß eine Auseinandersetzung mit Werken von Olafur Eliasson oder Projektionen von Pipilotti Rist an. Eine Exkursion ins Zentrum für internationale Lichtkunst nach Unna beeindruckte alle Teilnehmer. Dort waren Werke von James Turell oder Olafur Eliasson plötzlich real begeh- und erlebbar. Auch die Studenten selbst referierten über Tages- und Kunstlicht, Architektur und Raum, Lichteffekte oder Physik. Diese Bandbreite an Input ermöglichte ein kontinuierliches Reflektieren über die eigene Arbeit und bot Inspiration für die eigene Arbeitsweise.

Da Licht an sich keine Materialität besitzt und eine Lichtwirkung schwer über Skizzen, Modelle oder mit dem Computer planbar sind, war die Herangehensweise für die „Industrial Design“ Studenten zunächst ungewohnt. Das Projekt erforderte von Anfang bis Ende zahlreiche Experimente mit realen Lichtquellen, um die Ideen und Wünsche zu erleben und damit nachvollziehbar zu machen.

Die Teilnehmer fingen von sehr unterschiedlichen Ausgangspunkten an, die Ideen waren breit gefächert. So befassten sich die Studenten mit Licht zur Kontaktaufnahme, als intuitives Leitsystem, als Interpret von Musik, um Einsamkeit zu überwinden, zur Reparatur im öffentlichen Raum.

Fünf unterschiedliche Ansatze verdienen besondere Aufmerksamkeit. Diese werden im Folgenden näher beleuchtet.

Window Seat | Kikki Stokstad Haug

Die Norwegerin Kikki Stokstad Haug ist durch ihr Heimatland sehr gut mit langanhaltender Dunkelheit vertraut. In den langen Wintermonaten erlebt sie jeden Sonnenstrahl umso intensiver. Über einen Sitz, der in Anlehnung an ein Fenster gerahmt ist, erinnert sie an das Wohlgefühl, das beim Verweilen auf der Fensterbank entsteht, wenn die Sonnenstrahlen durchs Fenster scheinen.

Window Seat_Kikki Stokstad Haug

Lys | Anna-Ruth Fakner

Anna-Ruth Fakner bedauerte, dass eine räumliche Distanz des Lebensmittelpunkts von Familienmitgliedern und Freunden, weil diese beispielsweise in einem anderen Zimmer, einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land wohnen, oft auch bedeutet, weniger an deren alltäglichem Leben teilhaben zu können. In ihrem Entwurf „Lys“ nutzt sie Licht daher, um aktuelle Tageszustände, wie Entspannung oder Arbeit, zwischen Menschen zu vermitteln. Dadurch wird es möglich, trotz Distanz, mit dem Anderen verbunden zu sein und beispielsweise zur gleichen Zeit zu arbeiten und gemeinsam eine Pause zu machen.

Lys_Anna-Ruth Fakner

MOODLIGHT Lys by Anna-Ruth Fakner from FOLKWANG Gestaltung & Innovation on Vimeo.

Fuji Zen | Tim Gerlach

Mit „Fuji Zen“ will Tim Gerlach den Betrachter überraschen. Geschlossen ist seine Leuchte nicht unbedingt als solche erkennbar, stellt man diese jedoch an, so beginnt das Oberteil zu schweben und der Zwischenraum füllt sich mit Licht. Es tritt ein sehr organisches und einnehmendes Licht aus, das eine meditative Wirkung auf den Betrachter hat.

Fuji Zen_Tim Gerlach

MOODLIGHT Fuji Zen by Tim Gerlach from FOLKWANG Gestaltung & Innovation on Vimeo.

The Outside Corner | Maeva Losengeo

Auf Maeva Losengo wirken Patientenzimmer in Krankenhäusern einengend. Die sterile Umgebung, oft gepaart mit greller Neonbeleuchtung, ist für sie wenig förderlich für die Genesung. „The Outside Corner“ soll dieses beengende Gefühl aufbrechen. Eine Ecke im Zimmer vermittelt durch Lichtprojektionen den Eindruck, einen Blick nach draußen zu haben und bricht so das beengende Raumgefühl auf.

MOODLIGHT The Outside Corner by Maeva Losengo from FOLKWANG Gestaltung & Innovation on Vimeo.

Music Light | Yuanzhi Cai, Le Xu

Die beiden Studentinnen Yuanzhi Cai und Le Xu entdeckten spannende Projektionen, wenn Licht durch Wasser geschickt wird. Um diese beweglich zu machen, installierten die beiden unter die Lichtquelle einen Lautsprecher und direkt darüber einen Flüssigkeitsbehälter. Dieser muss nur mit einer Flüssigkeit befüllt werden und schon übersetzt er die abgespielte Musik in Lichtbilder, die ständig in Bewegung sind.

Music Light_Yuanzhi Cai_Le Xu

MOODLIGHT Dancing Light by Yuanzhi Cai & Le Xu from FOLKWANG Gestaltung & Innovation on Vimeo.

 

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