PROJECTS/STRATEGY & VISION

Vergessen! – Demenz!

Designprojekt Demenz. Studierende brauchen viel Einfühlungsvermögen

Motivation, Humor und Lebensqualität – brauchen Erkrankte, sowie Angehörige

In der Bundesrepublik Deutschland ist mit einem Anstieg der Demenz von heute 1,3 Millionen Betroffenen auf voraussichtlich 2,6 Millionen in 2050 zu rechnen. Steigt die Lebenserwartung, so steigt auch das Risiko im so genannten letzten Lebensabschnitt an einer Form der Demenz zu erkranken. Die Diagnose trifft nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Umfeld.

Die komplexe Krankheit ist in ihrem Verlauf schlecht einschätzbar und von Patient zu Patient verschieden. Generell schwinden die Erinnerungen und der Demente versinkt in seiner eigenen Welt, die für den Außenstehenden unlogisch und unverständlich erscheint. Medikamentös kann dem Erkrankten bisher nicht dauerhaft oder gar heilend geholfen werden. Das macht es umso wichtiger, dass die Gesellschaft und das Umfeld helfend und mit Verständnis reagiert. Die facettenreiche Krankheit ist erst in den letzten Jahrzehnten thematisiert worden und die alten Schreckgespenster der „senilen Oma“ oder des „durchgedrehten Alten“ haften der Krankheit noch immer an.

Die Studierenden versuchen durch ihre Entwürfe mehr Lebensqualität für Demente und deren Angehörigen zu schaffen, eine verbesserte Integration zurück ins soziale Leben zu ermöglichen und wollen Außenstehenden helfen die Krankheit in ihren vielen Facetten besser zu verstehen, zu sensibilisieren und zu interessieren. Auch die „Aktivierung zur körperlichen Bewegung“, „Selbständigkeit in den eigenen 4 Wänden“, sowie „Demenzvorsorge“ – sind Schwerpunkte in den Projekten der Studenten.

Design project: dementia. The students need a lot of empathy

Motivation, humor and quality of live required by patients as well as relatives

In Germany a rise of dementia patients from 1,3 million people nowadays to an estimated 2,6 million people in 2050 can be anticipated. If life expectancy is on the increase, so is the risk to come down with some form of dementia in the so called autumn of life. But the diagnosis does not only change the patients life fundamentally, it also changes their surroundings.

The course of this complex disease is very unpredictable and different from one patient to the other. However, memories fade and the patient sinks deeper into his own private Idaho which seems incomprehensible and far away for those not involved. Medication can only slow down the disease, yet without a chance of cure. This makes it even more important for the society to provide assistance and act in an understanding manner. This manifold disease has only been addressed within the last few decades and the old ghosts of the past such as the senile granny or the bugged out gaffer are yet to disappear. 

The students try with their designs to enhance the quality of life of dementia patients and their loved ones, allow for a better social reintegration and help people not involved to better understand this manifold disease, to sensitize and arouse interest. The „activation to exercise“, „domestic self-dependence“ as well as „dementia prevention“ are further key aspects in the students‘ projects.

 

Strategie und Vison SS 2011 – Prof. K. Mehnert, Dipl. Des. Carolin Schreiber

Antonia Eggerling

Cannunccia – Sinnlich speisen in Gesellschaft, aber ohne Besteck!

Essen und Trinken ist ein sinnliches Erlebnis und ein wichtiger Teil unseres gesellschaftlichen Lebens. Für Demenzerkrankte und deren Angehörige ist dies jedoch keine Selbstverständlichkeit.

Die Geschirrserie Cannuccia ist Teil eines ganzheitlichen Restaurantkonzeptes, das ein gemeinsames Erlebnis für Demenzerkrankte und ihre Begleiter bietet. Ein Restaurantbesuch, bei dem man sich keine Sorgen um Tischmanieren, Besteck oder schlecht essbare Speisen machen muss und bei dem alle Gäste unabhängig von ihren motorischen Fähigkeiten und Geschmäckern die gleichen Mahlzeiten auf die selbe Art essen können. Demenzerkrankte bevorzugen stark gewürzte und gesüßte Speisen. Dips, Soufflés, Suppen und Fingerfood können individuell mit der Würzschale gewürzt werden. Dieser ungezwungene Umgang bringt dementen Menschen Freude am Essen. Pflegende, in sozialer Isolation lebende Angehörige, können Dank des Geschirrs CANNUCCIA gemeinsam mit dem Dementen intuitiv in einem Restaurant speisen und die Gesellschaft genießen.

Cannunccia – Dining sensually with community, but without cutlery!

Eating and drinking are sensual experiences and make an important part of our social life. Yet this is not a matter of course of dementia patients and their loved ones. 

The tableware CANNUCCIA is part of a holistic restaurant concept which offers a common experience for the dementia sufferers as well as their company. A restaurant visit where one doesn‘t need to worry about table manners, cutlery or difficult to eat dishes and where every guest irrespective of taste or motor skills is able to have the same dishes in the same way. People suffering from dementia prefer heavily spiced or sweetened food. Dips, soufflés, soups and finger food can be individually seasoned with the spice bowl. This informal handling makes eating a pleasure for the dementia sufferer. Thanks to CANNUCCIA, the affiliated who foster, but live in social isolation can intuitively dine in a restaurant together with the dementia patient and simply enjoy the company.

  

   

Benedikt Neuhäuser

HEROES

Einfach zuhören! Geschichten aus einer fremden Welt

Demenzerkrankte leben in ihrer eigenen, fremderscheinenden Welt. Soziale Kontakte und Gespräche müssen dennoch weiterhin gefördert werden, auch wenn Außenstehende nicht jede Geschichte verstehen. Demente erzählen gerne und brauchen Zuhörer! HEROES appelliert an die gute Tat in unserer Gesellschaft, in der sich laut Statistik 24% der Deutschen ehrenamtlich engagieren. Dieses soziale Potential muss genutzt werden. Für einen ersten einfachen Einstieg in die fremde Welt der Demenz, ist HEROES das passende Equipment. HEROES besteht aus zwei Bechern, einer Keksdose und einer Wasserflasche, die Wasser für mindestens 30 Minuten Konversationszeit beinhaltet. Versteckte Verhaltenstipps im Becher geben Sicherheit im Gespräch mit dem Dementen. Das „Zuprosten“ emotionalisiert den Moment und schafft gegenseitiges Vertrauen. Einen positiven Nebeneffekt hat die gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme, die sich nachweislich förderlich auf die Gehirnleistung auswirkt. Mit Symbolen versehene Kekse, bieten im Bedarfsfall weitere Gesprächsthemen an. Eine neue Gesprächserfahrung in einer bisher fremden Welt erwartet dich! Sei mutig! Werde ein Held!

HEROES – Simply listening! Stories from a foreign world. 

Dementia patients live in their own private Idaho. Social contacts as well as conversations have to be encouraged, despite people not involved will most likely not understand every single story told. Dementia patients like to talk and need listeners! HEROES appeals to the good deed in our society, in which 24% of all Germans volunteer their time. This social potential must be used. HEROES is the right piece of equipment for an easy start into this new world of dementia. It consists of 2 beakers, one cookie jar and a water bottle, which contains enough water for at least 30 minutes of conversation. Little codes of conduct, hidden in the beaker, suggest a sense of security while talking to the patient. Clinking the glasses charges the moment with emotion and boosts confidence in each other. Moreover, liquid intake is verifiably beneficial for the brain‘s performance. The cookies, furnished with symbols, provide further topics of conversation if necessary. A new conversational experience in a yet unknown world is waiting for you! Be brave! Be a hero!

   

   

Eunkyoung Lee

MONAMI – Aktivierung durch Musik und Bewegung

Im Leben vieler dementer Menschen fehlen anregende Aktivitäten und kleine Herausforderungen. Aufgrund eingeschränkter kognitiver Fähigkeiten fällt es ihnen häufig sehr schwer, sich eigeninitiativ zu aktivieren. Die Teilnahme am sozialen Leben sowie die Lebensfreude schwindet. Demente fühlen sich unsicher und ausgegrenzt, wenn sie merken, dass sie nicht mehr mithalten können. Einen guten Zugang zum emotionalen Gedächtnis bekommt man, sogar bei stark Dementen, durch Musik, die zum Bewegen anregt und positive Erinnerungen weckt. MONAMI, die intelligente Tanzjacke, besteht aus einem leichten, waschbaren Textil und integriert unterschiedliche Rhytmusinstrumente, die sich intuitiv durch leichtes Bewegen spielen lassen. Gepolsterte Tastsensoren im Bauchbereich lassen Trommelgeräusche erklingen und durch Schütteln der Arme ertönen Rasseln. Mit MONAMI kann alleine oder gemeinsam in der Gruppe zur Hintergrundmusik oder zu Gesang musiziert werden.

MONAMI – Activation through music and motion.

The lives of dementia patients oftentimes miss inspirational activities and little challenges. Due to the lack of cognitive abilities it is very difficult for them to activate themselves on their own initiative. Interest in social life as well as vitality dwindle. People suffering from dementia feel insecure and excluded when noticing that they cannot keep up anymore. A good access to the emotional memory of patients with even severe dementia is gained by music which inspires activity and evokes positive memories. MONAMI, the intelligent dance jacket, is made from a lightweight, washable textile and integrates different rhythm instruments, which can be played intuitively by simple movements. Padded push-button sensors in the belly area create drum sounds and a rattling noise is made by simply shaking the arms. MONAMI can be used individually or in groups, accompanied by background music or melody.

   

Miryam Lanken

MIO – Deine Biografie in der Lampe.

Viele Verhaltensweisen eines Dementen können durch Kenntnis seiner Biografie verstanden werden. Erlebnisse, besondere Momente oder Ängste prägen einen Menschen. Die Erinnerung an seine Kompetenzen, gibt dem Patienten Sicherheit und stärkt das Selbstwertgefühl. Pfleger wissen oft zu wenig über das Leben ihrer Patienten. Aufgrund des demografischen Wandels fehlen die Angehörigen bald gänzlich und keiner weiß über die Vergangenheit eines Dementen Bescheid. Hier setzt MIO an: Schon während des gesunden Lebens, sammeln wir die wichtigsten Erinnerungen, emotionale Erlebnisse und Fakten des Lebens. Im Krankheitsfall können die positiven Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis gezielt aktiviert werden und es wird dem Verlust der Identität entgegengewirkt. Die Erlebnisse werden mit z.B. einem Smartphone gesammelt und in Form von Bildern, Musik oder Filmen abends vor dem Einschlafen auf die Nachttischlampe MIO übertragen. Durch intuitive Bedienung per Touch Screen, können die Momente des Lebens auf der gesamten Fläche des Lampenschirms wiedererlebt werden. Die zeitlose Gestaltung macht die Lampe zu einem lebenslangen Begleiter und unterstützt in erhellender Weise die Biografiearbeit .

MIO – Your biography in a lamp.

Some behavior patterns of dementia patients are easier understood by knowing their biography. Far-reaching experiences like unique moments or fears are very formative. The patients‘ memory of their competences encourages and strengthens their self-esteem. Caretakers oftentimes know too little about their patients‘ life and past. Due to the demographic change relatives will soon be missing completely and who will then be there to know about the patients‘ past. And here is where MIO comes into play: we start collecting our most memorable moments, emotional experiences and facts of our lives already at an early age when still being healthy. In case of a disease the positive memories in our long-term memory can then be triggered, hence the loss of our identity is antagonized. Experiences are collected for example through a smartphone, and in the evening before going to sleep all these pictures, music or little movie clips are transferred onto the bedside lamp MIO. Through intuitive handling via touch screen these memorable moments in life can be relived on the entire surface of the lamp shade. Timeless design makes MIO a lifelong companion and supports keeping biographic records in an elightening manner.

   

Ausstellung auf der Rehacare Fachmesse 2011

Exhibition at the Rehacare Trade Fair 2011

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